Archiv Soziale Bewegungen

Adlerstraße 12, 79098 Freiburg
Telefon 0761 / 333 62, Fax 0761 / 20 24 506

Das Freiburger Archiv Soziale Bewegungen e.V. sammelt seit 1983 Bücher, Zeitungen, Zeitschriften, Broschüren, Flugblätter, Fotos, Plakate, Transparente, Protokolle und andere Verlautbarungen und Überreste der Neuen Sozialen Bewegungen. Gerade für die institutionell kaum verankerten und zum Teil kurzlebigen sozialen Bewegungen gibt es keine offiziellen Stellen, die deren Geschichte systematisch bewahren. Im Archiv stehen den Nutzerinnen und Nutzern die Bestände, besthend aus mehr als 100.000 Flugblättern, 1.000 Zeitschriftentitel und Broschüren, tausende von Plakaten, Fotos usw., aus der Geschichte sozialer Bewegungen seit 1945 (vor allem aus dem Raum Baden, aber auch darüber hinaus) zur Verfügung. Auch die Bestände des Freiburger Feministischen Archivs und das gesamte Tonmaterial von Radio Vert Fessenheim sind hier zu finden.

Neben Sammlung und Erschließung werden Dokumente der Protestgeschichte durch Digitalisierung vor dem Verfall bewahrt. Wichtige Ergebnisse dieser Arbeit werden regelmäßig publiziert. Laufend erscheint die Chronologie in der die jüngsten Protestdokumente quartalsweise veröffentlicht werden. Gleichzeitig wird die im Archiv eigens entwickelte Protest-Datenbank um die Bestände früherer Bewegungen (z.B. Häuserkämpfe, Antiatomkraftbewegung, Studentenbewegung 1968/69) erweitert. Ausgesuchte Themenbereiche werden in der Reihe Materialien zur Protestgeschichte in digitalisierter Form auf CD-ROM veröffentlicht.

Alte Nachrichten

Aktuelle Mitteilungen des Archivs finden sich hier

Kommissarische Leitung der Zinnfigurenklause

Für zumindest dieses Jahr übernimmt das ASB die Leitung der Freiburger Zinnfigurenklause. Deren bisheriger Leiter Andreas Müller ging mit 90 Jahren in den verdienten Ruhestand. Es handelt sich dabei keineswegs um eine Übernahme: Die Klause wird weiterhin ihrem Freundes- und Förderkreis betreut. Wir übernehmen nur die organisatorische Leitung und sorgen dafür, daß auch dann die Öffnungszeiten garantiert sind, wenn niemand vom Verein die notwendige Zeit aufbringen kann. Nähere Informationen finden sich im Amtsblatt der Stadt Freiburg und in einem Artikel der Badischen Zeitung. Und Martin Halter hat sich bereits in einer Glosse über die Zusammenarbeit lustig gemacht...

Freiburger Studenten Zeitung Digitale Gesamtausgabe 1951 - 1972 fertiggestellt

Schon seit einigen Jahren beobachteten wir den physischen Verfall unserer Ausgaben der Freiburger Studenten Zeitung. Zum Universitätsjubiläum konnten wir die Unterstützung des Akademischen Rektorats, der UB und des Uniarchivs gewinnen, erstmals eine Gesamtausgabe der FSZ zusammenstellen und diese digitalisieren. Das Ergebnis dient nun nicht nur der Bestandssicherung, sondern ermöglicht einen ganz neuen Zugang zu dieser wichtigen Quelle der Universitäts- und Stadtgeschichte: die 3000 Seiten der 160 Ausgaben lassen sich nach jedem beliebigen Wort durchsuchen.

Leider verhindert das neue Urheberrecht unsere ursprüngliche Absicht, die digitalisierte FSZ als DVD zu veröffentlichen und damit jedem, der möchte, zugänglich zu machen. Wer sie einsehen will, muß dazu ins Archiv kommen oder die UB oder das Uniarchiv aufsuchen..

Doch wir bereiten für das Frühjahr 2008 eine Teilveröffentlichung auf CDRom vor, für die wir bereits das Einverständnis zur Verbreitung von 215 ehemaligen FSZ-Autoren eingeholt haben. Analysen und Kommentare werden den Wert dieser Ausgabe erhöhen. Wir wollen sie dann in einer Veranstaltung präsentieren. Wer die CD angeboten haben möchte, kann sich hier eintragen. Als Vorankündigung schon mal zwei Überblickstexte zur Geschichte der Zeitung, einen alten von Hanno Kühnert aus der Nummer 100 der FSZ und einen neuen von Hans Peter Herrmann.

Wer unsere Arbeit unterstützen will, ist herzlich eingeladen, dem Förderkreis beizutreten

Kolloquium 1968 - Was bleibt von einer Generation?

Das Archiv hat sich an einem Kolloquium des Landesarchives Baden-Württemberg zur sogenannten "68er-Bewegung" beteiligt. Genaueres läßt sich der Besprechung in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung entnehmen.

Unsere Bemerkung, wir würden unser Material nicht an alle Interessenten herausgeben, rief einen kleinen Sturm der Entrüstung hervor, weshalb wir folgendes klarstellen:

Diese Ausage bezog sich allein auf personenbezogene Materialien, die wahrscheinlich noch nicht einmal ein Promille unserer Archivbestände ausmachen. Da es bei uns keine Sperrfrist gibt, müssen wir den Persönlichkeitsschutz auf eine andere Art und Weise gewährleisten - was in der Tat den gewissen Ruch undemokratischer Willkür erweckt. Wahrscheinlich haben wird dem noch Vorschub gegeben durch ein (reales) Beispiel, eine Anfrage der Konrad Adenauer Stiftung, die vor einigen Jahren nachfragen ließe, ob wir über Materialien zur Straßenkämpferzeit des ehemaligen Ministers Joseph Fischer verfügten. Wir erklärten in der Diskussion, selbst wenn wir so etwas gehabt hätten (was wir nicht haben), hätte die Adenauer Stiftung diese nicht von uns bekommen. Das wurde augenscheinlich so verstanden, als würden wir der Adenauer Stiftung überhaupt keinen Zugang zu unseren Materialien gewähren. Gemeint war nur, daß wir in der damaligen medialen Schlammschlacht um die Vergangenheit des Ministers der CDU niemals Munition geliefert hätten. Das wäre in einem staatlichen Archiv auch nicht anders: Hätten dort die üblichen Sperrfristen für personenbezogene Akten bestanden, hätte die Adenauer Stiftung schwerlich eine Genehmigung zur Aufhebung der Sperrfrist aus "wissenschaftlichem Interesse" bekommen. De facto können wir guten Gewissens behaupten, daß wir noch niemandem irgendwelche Zugänge zu irgendwelchen Materialien verweigert haben; für die Zukunft jedoch werden wir uns ein procedere überlegen müssen, wie wir mit personenbezogenen Materialien umgehen wollen, denn diese Art von Materialien wird in den nächsten Jahren zunehmen.

Wir schließen!

Nein, nicht endgültig, sondern um das Archiv umzubauen, da wir mehr Platz benötigen. Dankenswerterweise finanziert uns die Hans-Böckler-Stiftung diesen Umbau. Deshalb ist das Archiv vom 26. Februar bis 13. März 2007 geschlossen.

Tätigkeitsbericht 2005

Um nicht nur Trübsal zu blasen: Von unseren finanziellen Nöten einmal abgesehen, war das Jahr 2005, was sowohl die Archivnutzung als auch Materialeingänge betrifft, äußerst erfolgreich. Datails gibt es im Tätigkeitsbericht.

Nach der Gemeinderatsentscheidung

Statt einer dringend benötigten Erhöhung des städtischen Zuschusses hatte der Gemeinderat 2004 beschlossen, den Zuschuß für das Archiv von 31.500 € auf 25.000 € zu kürzen. Diese entscheidende Entlastung des städtischen Haushaltes brachte das Archiv an den Rand des Ruins, das heißt, wir mußten uns tatsächlich überlegen, ob wir so weitermachen können oder das Archiv schließen und die Bestände nach außerhalb geben müssen.

Dank der Spenden eines im Juni 2005 gegründeten Förderkreises und unter Aufzehrung unserer letzten Rücklagen konnten wir (nach Entlassung einer bezahlten Hilfskraft) gerade so überleben.

Um das Archiv auf Dauer sichern zu können, benötigen wir weitere regelmäßige Spendenzusicherungen von momentan ca. 5000 € jährlich.

Cover der Wyhl-CDNeue CD-ROM zu Wyhl!

Die Wyhl-CD wird in Kürze in einer deutlich erweiterten und verbesserten Auflage - jetzt zum regulären Preis von 15 € erhältlich sein. Käuflich zu erwerben ist die CD wie immer direkt bei uns und in der Buchhandlung Jos Fritz, Wilhelmstr. 15.

Archiv in Gefahr!

Das Archiv Soziale Bewegungen ist akut von der Schließung bedroht. Das Kulturamt hat beschlossen, dieses Jahr den Zuschuß von 31.500 € auf 14.000 € zu kürzen und im nächsten Jahr komplett zu streichen. Das würde das Ende des Archivs bedeuten.

Dabei bescheinigt das Kulturamt dem Archiv: "Die Arbeit und Qualität des in seiner Ausrichtung bundesweit fast einzigartigen Archivs wird von der Verwaltung ohne Abstriche positiv beurteilt.". Gleichzeitig regt das Kulturamt aber an, "wesentliche Bestände in das Stadtarchiv zu überführen" und zu prüfen "ob und in welcher Form die Sammlung und publizistische Tätigkeit des Archivs weiter geführt werden kann." Warum eine derartige Verstadtlichung des Archivs zur "Haushaltskonsolidierung" beitragen soll, ist schwer nachzuvollziehen.

Wir haben gegen diese drohende Schließung des Archivs verschiedenes unternommen und werden weiteres tun.

Mobilisierung der Öffentlichkeit

An erster Stelle steht eine Öffentlichkeitskampagne. Diejenigen, die noch nie im Archiv waren, sind nur allzuoft sehr überrascht, wenn sie uns besuchen, wie umfangreich die Sammlung ist, wie intensiv sie von den Benutzern und Benutzerinnen angenommen wird, was wir alles publizieren etc.

Um diesem Informationsdefizit abzuhelfen, hat der Freiburger Germanist Hans Peter Hermann einen Text verfaßt, der detailliert über die Arbeit und die Bedeutung des Archives informiert. Wer es gerne kurz und knapp hat, kann sich unsere Kurzinformationen herunterladen.

Inzwischen hat auch die Badische Zeitung in einem ausführlichen Artikel über das Archiv und die Kürzungen berichtet.

Neue Finanzierungsquellen

Das Archiv wird bereits zu einem nicht unerheblichen Maße (letztes Jahr rund 10%) durch Mitgliedsbeiträge und Spenden finanziert (an dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön an alle, die uns über die Jahre auf diese Weise unterstützt haben). Und wir werden sicherlich eine Kampagne starten, um die Zahl der Förderer und Freude des Archivs erhöhen. Wer jetzt schon Förderer des Archivs werden möchte, kann dies gerne, auch ohne gesonderte Aufforderung durch eine Kampagne, tun.

Doch damit allein aber können wir den Archivbetrieb nicht aufrecht erhalten.

Wer sich, neben der Stadt Freiburg, als Geldgeber anbieteten würde, sind vor allem das Land Baden-Württemberg und der Bund. Das Archiv leistet einen nicht zu unterschätzenden Beitrag im Wissenschaftsbereich, ohne daß dieses vom eigentlich dafür zuständigen Bundesland finanziell honoriert würde. Insofern sagt einem der gesunde Menschenverstand, daß das Land Baden-Württemberg die Aufgabe hätte, die institutionelle Sicherung des Archives zu finanzieren. Nun wird, das belegt das im Archiv gesammelte Material zur Genüge, in der Politik nicht immer unbedingt nach vernüftigen Kriterien entschieden. Deshalb dürfte es außerordentlich schwierig werden, das Wissenschaftsministerium davon zu überzeugen, daß das Archiv eine erhaltenswerte Institution ist, die dementsprechend auch institutionell gefördert werden muß. Trotzdem werden wir in den sauren Apfel beißen und uns nach besten Kräften bemühen, entweder vom Land oder vom Bund eine institutionelle Förderung zu bekommen. Dazu werden wir wahrscheinlich massive Unterstützung, vor allem aus dem Wissenschaftsbereich, brauchen. Wer glaubt, uns in dieser Hinsicht einen Dienst erweisen zu können (und sei es nur, indem er/sie uns einen Tip gibt, an wen wir uns wenden sollen), möge sich doch bei uns melden.

Noch schwieriger wird es, wenn es uns nicht gelingt, die institutionelle Förderung durch Stadt, Land oder Bund zu garantieren, das Archiv alleine mit Projektförderung über die Runden zu bringen. Sicherlich: das Archiv hat eine lange Liste von Projekten, die im Laufe der nächsten Jahre gemacht werden sollten und auch können. Und möglicherweise lassen sich aus irgendwelchen Fördertöpfen dafür Gelder auftreiben. Doch dabei geht eigentlich viel zu viel Zeit für bürokratischen overhead verloren, die wir sinnvoller in die eigentliche Archivarbeit stecken könnten. Deshalb ist diese Option eigentlich nicht wirklich diskutabel.

Zeitungsartikel über das Archiv Soziale Bewegungen:

Badische Zeitung vom 21.4.1989
Badische Zeitung vom 24.9.1993
Frankfurter Rundschau vom 20.1.1994